Fachbeitrag VIII: Die stille Privatisierung unseres Wohnraums – Wie Millionen an Steuergeldern aus Beckum und dem Kreis Warendorf abfließen
Wer heute in der Stadt Beckum oder im gesamten Kreis Warendorf eine bezahlbare Wohnung sucht, steht oft vor verschlossenen Türen. Die Mieten steigen, und immer mehr ehemals günstige Wohnungen fallen aus der sogenannten „Sozialbindung“. Doch hinter dieser Entwicklung steckt kein Naturgesetz. Es ist das Ergebnis eines Systems, das Wohnraum nicht mehr als Heimat, sondern als Rendite-Objekt begreift.
Wenn der Staat den Wohnungsmarkt privaten Investoren überlässt, zahlt am Ende der Bürger gleich doppelt: als Mieter und als Steuerzahler. Unser Verein hat nachgerechnet, wie viel Geld der Gemeinschaft dadurch Jahr für Jahr verloren geht.
Das System der Abschöpfung: Wie es funktioniert
Viele Bürger glauben, dass der Staat über das Jobcenter oder Sozialämter bedürftigen Familien einfach nur die Miete bezahlt (die sogenannten „Kosten der Unterkunft“, kurz KdU). Was dabei übersehen wird: Dieses Geld bleibt nicht in der Region. Es wandert direkt in die privaten Taschen von Investoren und Immobilienkonzernen.
Man kann sich das wie ein Netzwerk-Marketing-System im großen Stil vorstellen: Ganz unten zahlen die Mieter (oder der Staat via Steuergeld) die monatlichen Beträge. Ganz oben schöpfen Eigentümer Gewinne ab, ohne dass sie selbst noch operativ im Haus mitarbeiten müssen. Dieses Geld ist für die lokale Wirtschaft, für Kitas, Sportvereine oder den Tierschutz dauerhaft verloren.
Die konkreten Zahlen: Was passiert in Beckum?
Nehmen wir das konkrete Pilotprojekt unseres Vereins auf dem Renfert-Gelände direkt am Bahnhof in Beckum. Hier planen wir den Bau von 200 Wohnungen.
Der klassische Investor: Ein profitorientierter Wohnungskonzern verlangt marktübliche Mieten und optimiert die Rendite. Der Überschuss fließt als Dividende an Aktionäre.
Das Modell „Sichere Zukunft“: Wir deckeln die Mieten dauerhaft auf einem fairen, kostendeckenden Niveau. Sobald die Kredite abbezahlt sind, sinken die Kosten für die Mieter sogar noch weiter.
Das verblüffende Ergebnis unserer Kalkulation:
Trotz extrem günstiger Sozialmieten erwirtschaftet dieses geniale und nachhaltige Konzept in Beckum einen Überschuss von rund 500.000 Euro pro Jahr. Da unser Verein gemeinnützig agiert und private Abschöpfung per Satzung verboten ist, fließt diese halbe Million Euro jedes Jahr direkt in soziale Projekte und das Gemeinwohl in Beckum zurück.
Beim privaten Investor landet genau diese Summe Jahr für Jahr in der privaten Tasche – entzogen aus unserem lokalen Kreislauf.
Der Kreis Warendorf: Der Millionenschaden für den Steuerzahler
Wenn wir diesen Effekt von Beckum auf den gesamten Kreis Warendorf (mit seinen 13 Städten und Gemeinden wie Ahlen, Oelde und Warendorf) hochrechnen, wird die Dimension des Schadens erst richtig sichtbar.
Gehen wir vorsichtig von nur 3.000 Wohnungen im gesamten Kreisgebiet aus, die ehemals öffentlich oder bezahlbar waren und heute profitorientiert bewirtschaftet werden. Private Vermieter verlangen im Schnitt 4,50 Euro pro Quadratmeter mehr, als eine gemeinnützige Kostenmiete betragen müsste. Bei einer durchschnittlichen Familiengröße von 75 m² bedeutet das einen massiven Geldabfluss.
Der jährliche Gesamtschaden teilt sich in zwei Bereiche:
Die private Miet-Abschöpfung (Direkter Schaden):
3.000 Wohnungen × 75 m² × 4,50 € Aufpreis × 12 Monate = 12.150.000 Euro.
Über 12 Millionen Euro, die Mieter und das Jobcenter (also unser Steuergeld) mehr bezahlen müssen, als das Wohnen eigentlich an Realkosten verursacht.
Die entgangenen Überschüsse (Indirekter Schaden):
Würden diese 3.000 Wohnungen nach unserem gemeinnützigen „Beckum-Modell“ laufen, stünden dem Kreis Warendorf jährlich 7.500.000 Euro für gemeinnützige Zwecke (z. B. Tierschutz-Gnadenhöfe, Kitas, Pflege) zur Verfügung.
Das traurige Fazit für den Kreis:
Dem Steuerzahler und den Bürgern im Kreis Warendorf entgehen durch das aktuelle System jährlich fast 19,65 Millionen Euro!
Warum Gesetze wie die „Mietpreisbremse“ versagen
Die Politik versucht oft, die Wut der Bürger mit Gesetzen wie der „Mietpreisbremse“ zu beruhigen. Doch analytisch betrachtet ist dieses Gesetz keine Lösung, sondern eine Legitimierung des Zustands. Die Mietpreisbremse verbietet nicht die ungerechtfertigte Bereicherung an einem existenziellen Grundbedürfnis – sie setzt lediglich eine Obergrenze dafür fest, wie schnell das Geld in private Taschen fließen darf.
Fazit: Wir müssen den Wohnraum zurückbekommen
Das Projekt auf dem Renfert-Gelände in Beckum beweist, dass es anders geht. Wir beweisen mathematisch und wirtschaftlich, dass man bezahlbaren Wohnraum schaffen, die Nebenkosten durch moderne Energiekonzepte gegen Null senken und gleichzeitig riesige Werte für die Gemeinschaft schaffen kann.
Wohnen darf kein Spekulationsobjekt sein. Unterstützen Sie den Vereins für eine sichere Zukunft, damit wir den Millionen-Abfluss stoppen und das Geld dorthin bringen, wo es hingehört: zu den Menschen in unserer Region.