Fachbeitrag II – Die volkswirtschaftliche Schadensbilanz konventioneller Baustoffe
Eine bau- und umweltmedizinische Analyse von Instandhaltungs- und Folgekosten
Die Ausgangslage: Der zirkuläre Systemvergleich
In der modernen Bauwirtschaft wird der Wert eines Gebäudes fast ausschließlich über die
primären Erstellungskosten (Herstellungskosten) definiert. Diese Betrachtung blendet die
massiven, zeitversetzten Kosten für Instandhaltung, Gesundheit und Entsorgung
systematisch aus.
Das nachfolgende Praxisbeispiel verdeutlicht die volkswirtschaftliche und
betriebswirtschaftliche Diskrepanz zwischen konventionellen Verbundbaustoffen und
reinen Naturbaustoffen (Holz, Hanf, Lehm).
Rückbau- und Entsorgungsszenario im Vergleich:
[A] Altes / Naturgesundes Gebäude:
[Per Hand/Bagger] ➔ Glas (clean) ➔ Leitungen ➔ Holz (zirkulär) ➔
Mauerwerk/Steine
= 100 % Sortenreine Wiederverwertung (0 EUR Sondermüll-Kosten)
[B] Modernes konventionelles Gebäude:
[Verbundstoffe/Kleber] ➔ Beschichtetes Glas ➔ Verbund-Gipsplatten ➔
Styropor/Fassaden
= 100 % Untrennbarer Sondermüll (Exorbitante Entsorgungs- und
Deponiekosten)
Die bauökologischen Schadensfaktoren im Detail
1. Zement als globaler Emittent und Schadstoffsenke:
Die Zementindustrie gilt weltweit als einer der größten Treiber des CO₂-Ausstoßes und
übertrifft in ihrer Gesamtemission die weltweite zivile Luftfahrtflotte spürbar. Zudem wird
konventioneller Zement in der Herstellung als thermische Verwertungsstation für
industrielle Abfälle genutzt. Jährlich werden allein in Deutschland Millionen Tonnen an
hochgiftigen Industrie- und Filterrückständen in den Zementprozess eingebracht und somit
dauerhaft in die mineralischen Baustoffe moderner Wohngebäude integriert, was zu
unkontrollierten Spät-Emissionen in Innenräumen führen kann.
2. Die ökonomische Instandhaltungsfalle (Styropor/WDVS):
Konventionelle Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) auf Erdölbasis (Polystyrol/Styropor)
mindern zwar kurzfristig den Heizenergiebedarf, erzeugen jedoch langfristig immense
Folgekosten. Die Instandhaltungskosten konventioneller Gebäude liegen statistisch bei 15
bis 19 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Reine Naturbaustoffe senken diese laufenden
Kosten nachweislich auf ca. 7 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Das Einsparpotenzial
bei Instandhaltung und Technikverzicht (Entfall redundanter Lüftungsanlagen und
Folienverklebungen) beläuft sich auf ca. 20 % der Baukosten und 8 bis 12 Euro/m²
jährliche Betriebskosten.
Baustoff-Kategorie - Erstellungskosten - Jährliche Instandhaltung - Rückbau / Entsorgung
Konventionell (Zement, Gips, Styropor) Basiswert (100 %) 15,00 – 19,00 € / m² Sondermüll (Thermische
Deponierung erforderlich)
Naturbaustoffe (Holz, Hanf, Lehm) Ca. 20 % geringer Erstellungskosten Ca. 7,00 € / m² 100 % Zirkulär (Rückführung
in den Naturkreislauf)